German conection.

30April2013

Ich war heute in einem Laden (STOLTZFUS WOODCRAFT, 300 LYCOMING MALL), der von Amish geführt wurde. Als ich so durch die Regale ging, fing ich irgendwann an mich mit den Besitzern zu unterhalten. Wir haben über deren Leben gesprochen, über Deutschland, wir haben versucht miteinander Deutsch zu sprechen (ich hab die verstanden, sie mich allerdings nicht^^). Dann haben wir uns über Amerikaner lustig gemacht (dass viele übergewichtig sind), über ihre Erfahrungen in NY am letzten Wochenende gesprochen (sie hassen Manhattan), über die Wasserqualität in Amerika gesprochen,  und irgendwann haben wir Namen ausgetauscht und sie haben mich für spätere Besuche in Pennsylvania eingeladen mit ihnen in ihrer Kutsche zu fahren. Wenn das mal kein Grund ist hierher zurück zu kommen. Mal richtig Amisches Leben kennen lernen!

Ganz interessant, wie die über so lange Jahre ihre Kultur erhalten haben und wie ähnlich sie noch den Europäern sind. 

Tagesresumee: erst mal mit den Amish verbündet! Zuuuu gut!  

Unterrichtserfahrung.

17April2013

Heut war der letzte Tag des Semesters für meinen Kurs bei Frau Betty McClain. Zu meiner Überraschung gab es sogar ein Geschenk. Einen „Magic Eight Ball“

Der Magic 8 Ball ist ein Spielzeugartikel, der einer schwarzen Billardkugel (Nummer acht) ähnelt. Durch einen Mechanismus im Inneren kann die Kugel zufällige Antworten auf mit „ja“ oder „nein“ beantwortbare Fragen geben.Die schwarze Kunststoffkugel ist mit einer undurchsichtigen, dunkelblauen Flüssigkeit gefüllt, in der ein Ikosaeder (Zwanzigflächner) schwimmt, auf dessen Flächen die verschiedenen Antworten in erhabenen Buchstaben stehen. Gegenüber der 8 befindet sich auf der Kugeloberfläche ein Fenster, in dem man die Antworten lesen kann. Man soll die Kugel benutzen, indem man das Sichtfenster nach unten hält, seine Frage stellt und anschließend die Kugel umdreht. (…)Von den 20 Antworten sind 10 bejahend (positiv), 5 verneinend (negativ) und 5 indifferent.“  (Quelle: wikipedia)

Der Grund für dieses doch seltsame Geschenk, das bei walmart nach Aussage von Betty kaum Geld kostet und an alle Seniors in ihren Kursen verteilt wird, ist, dass sie nicht immer da sein kann, wenn wir einmal eine Entscheidung fällen müssen. Deswegen gibt sie uns diesen Ball damit wir ihn zu Rate ziehen könnnen. Ich fand diese Geste super nett und hatte Tränen in den Augen. Dazu mussten wir sagen, was wir jetzt nachdem wir das College verlassen vorhaben. Das sind halt die schönen Seiten eines kleinen Colleges, bei dem es familiär zugeht. Bei dem die Dozenten eine Beziehung zu den Studenten aufbauen und man am Ende wehmütig die Anstalt verlässt.

Auch interessant ist die Tatsache, dass die Dozenten sich gerne mit ihren Schülern/Studenten bei facebook anfreunden. In Deutschland eher eine Undenkbarkeit ist das hier geübte Praxis. Da werden Dinge und Fotos veröffentlicht, Fragen öffentlich diskutiert, Termine abgemacht… Facebook als Medium gehört an amerikanischen Universitäten dazu. Ob man es will oder nicht. Ich fand es eine schöne Sache. Es macht die Studenten/Dozenten-Beziehung entspannter und trotzdem wird eine gewisse Distanz gewahrt. Wie das zu stande kommt, kann ich nicht genau sagen, aber es scheint zu funktionieren. Eine Diskussion, ob das nicht zu weit geht, gibt es eher nicht.

Hatte ich ja mal gesagt, dass es bei uns im Lycourier einen Teil mit “overheard at Lyco” gibt. Daher heute mal wieder Dinge, die ich in letzter Zeit auf dem Campus gehört hab:
 „Why does she have a truck? Oh, she lives on a farm? I didn’t know that people still live on farms!“
(“Warum hat sie einen Truck? Oh, sie lebt auf einem Bauernhof? Ich wusste nicht, dass Menschen noch auf Bauernhöfen lebe!“)

Am Montag habe ich einem Vortrag gehört, von Colin Jerolmack einem Assistant Professor of Sociology and Environmental Studies an der New York University. Er hat ein Buch geschrieben „Global Pigeon“. Worum geht es da? In den großstädten der USA (New York, Chicago etc.) haben die Einwanderer aus Italien eine Kultur des Taubenzüchtens und haltens entwickelt.

Interessant war auch neulich eine Unterhaltung in meinem Kurs „Race, Class &Gender“ . Mal wieder ging es um amerikanische Identität. Zwei Grundätze unterliegen dem Amerikanismus.

Der erste Grundsatz ist „Assimilation“ und der zweite: „Leistung“.  Die Idee, die sich hinter „Leistung“  verbirgt,  ist die, dass jeder wenn er sich nur anstrengt, durch harte Arbeit etwas erreicht. Das ist auch der Grundsatz der sich hinter dem „American Dream“  vesteckt. Interessant war dann im Unterricht als ein Student meinte: „I dont’t have to try, I am white!“ („Ich muss mich nicht anstrengen, weil ich weiß bin!“). Damit meint er, dass obwohl davon ausgegangen wird, dass Amerika eine „meritocracy“ ist, ein „level playing field“, in dem jeder die gleichen Möglichkeiten hat durch Anstrengung zum Erfolg zu kommen. Eben dies allerdings nicht der Fall. Hautfarbe ist immer noch ein entscheidendes Indiz dafür, wie erfolgreich jemand auf dem Arbeitsmarkt und Schule ist. Und Weiße haben da nunmal immer noch bessere Chancen als Amerikaner mit anderer Hautfarbe. Traurig aber wahr. Amerikaner mit WASP’en Kennzeichen müssen sich eben nicht genauso sehr anstrengen wie die Lations, Schwarze oder andere Einwanderer (auch wenn diese schon seit Generationen in den USA leben).  Um erfolg zu haben muss sich jemand mit Farbe immer mehr anstrengen, als ein Weißer.

Auch ganz interessant war ein Vortrag dem wir vor kurzem lauschen durften. Ein professor (Colin Jeromack) der NYU hatte uns beehrt und sein Buch „Global Pigeon“ vorzustellen.  Ein Buch über Tauben? Nicht ganz. Eher ein Buch über unsere Gesellschaft. Eine Gesellschaft in der Menschen ganz natürlich Tauben halten und züchten.  Er hat in NY beobachtet, dass Menschen Tauben halten auf den Dächern Brooklyns und Bushwick halten.  Tagsüber haben sie ihre Tauben mit Bamboo- Ästen über den Dächern der Stadt fliegen lassen.Ca.  800 Stück pro Taubenhalter. Das machen hauptsächlich Italiener. Seit Jahrzenten war das so. Mittlerweile haben Hispanics dieses Hobby für sich erkannt. Hier gibt es eine Verbindung zwischen zwei Einwohnergruppen, die sonst eher weniger miteinander zu tun hätten. Der Grund dafür, dass Hispanics eingestiegen sind in das Taubenfliegen, ist der, dass ab den 80ern die „weiße“ Bevölkerung in die Vorstädte gezogen sind, raus aus der Stadt.  1980 gab es noch 75% weiße, 1990 nur noch 25% und heute nur noch 2% in Brownsville. Die Italiener hatten nun aber einmal ihre Taubenkolonien und wollten diese natürlich nicht aufgeben. Im Alter ist man aber nicht mehr wirklich im Stande dafür zu sorgen. Glücklicherweise haben die Lateinamerikanischen Kinder daran Gefallen und Interesse gefunden, sodass sie dann Nachfolger hatten. Interessant ist also, dass dadurch eine Kultur des Austausches zwischen den beiden unterschiedlichen Gruppen entstand auf Basis der Haltung und Aufzucht von Tauben. Es gibt eine klare Seperation zwischen den beiden Gruppen im alltäglichen Leben. Sogar Züge von Rassismus oder Vorurteilen sind spürbar.  Die Anzahl der Tauben und die Qualität der Zucht lässt das Ansehen innerhalb der Gruppe steigen. Sie sind Statussymbol. Am Beispiel von New York sieht man also, dass das Hobby der Tauben Zucht die Unterschiede zwischen den einzelnen Ethnizitäten nicht gänzlich, aber dennoch etwas verschwinden lässt.
In Berlin gab es dann eine ähnliche Beobachtung. Auch hier halten Einwanderer Tauben. Dies Mal sind es aber die Türken, ohne viel Kontakt mit der Deutschen Gesellschaft. Weder nehmen sie an Wettbewerben teil, noch haben sie Kontakt mit den Deutschen Taubebhaltervereinen. Sie halten Tauben, weil es eine Tradition darstellt. Es ist ein Bezug zu ihrer Heimat. Es ist ethische Identität, ein Ausdruck von Nationalismus.  Taubenzucht stellt demnach nicht wie in NY eine Verbindung zwischen den Kulturen dar, sondern eine Division.

Was zudem super interessant war, das waren die Probleme auf die die Züchter mittlerweile in Großstädten wie NY stoßen. Es gibt nun Versuche die Taubenzucht aus den Städten zu bannen. Grund? Bakterien und sonstiges Ungeziefer ist halt auch da. Witzig allerdings. Gleichzeitig gibt es einen Trend, dass immer mehr Menschen in den Städten Hühner halten. Das nennt man dann "Stadtfarmer", im Grunde nichts anderes als verkappte Ökos. Sie haben eigentlich zu viel Geld, aber nun den Sinn für die Umwelt entdeckt. Sie kaufen im Biomarkt ein, wo die Äpfel garantiert frei von Pestiziden sind und das Fleisch nur von Bauernhöfen aus der Region kommt. Locavores haben genug von teuren, genmanipulierten Lebensmitteln aus dem Supermarkt. Sie wollen die CO2-Emissionen vermeiden, die durch den Transport von Obst und Gemüse aus dem Ausland oder aus dem tausende Meilen entfernten Florida und Kalifornien entstehen.  Und deswegen haben sie Hühner, damit es dann frische Eier gibt. Diesem Trend wird indes von der Stadt nicht entgegengewirkt, sondern nur der Taubenhaltung. Eine Ungerechtigkeit sondergleichen. Was verrückt ist, dass dieser Trend der Hühnerhaltung auch nicht neu ist, sondern schon von armen Hispanics Jahrzehnte praktiziert wurde: Mittel zum Zweck. Eier und Fleisch. Dies ist den Locavores auch nicht wirklich recht. Zur Fleischgewinnung sollen die Tiere bitte schön nicht genutzt werden und so ist der Trend wieder eher Division zwischen den Schichten als verbindendes Element. Bei Touren zu den einzelnen Hühnerställen der Stadt werden schlicht und ergreifend die alteingessenen Ställe ausgespart, weil dort ja Tiere "getötet" werden. Wie unglaublich scheinheilig. 

Das war super interessant und nächstes Mal, wenn ich in NY bin, werde ich mal nach Bushwick und mal nach Taubenzüchtern Ausschau halten oder eben auch nach Hühnerställen oder seit neuestem wohl auch Bienenstöcken.

Ein Tag, der in Erinnerung bleibt.

15April2013

Heute ist das passiert wovor wir alle uns immer gefürchtet haben: ein Anschlag auf ein großes Event in Boston, den Boston Marathon. Ein Terroranschlag, wenn man mich fragt.

Der Spiegel schreibt:

Bei zwei Explosionen während des Marathonlaufs in Boston sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei gab es mindestens zwei Tote und 23 Verletzte. Die Zeitung "Boston Globe" berichtet von mehr als hundert Verletzten.Die Explosionen ereigneten sich am Montag in der Nähe der Ziellinie des Rennens. Die ersten Läufer hatten das Rennen bereits mehrere Stunden zuvor beendet, doch zum Zeitpunkt der Detonationen liefen immer noch Teilnehmer über die Ziellinie. Die Polizei geht von Bombenanschlägen aus. (…) Die Polizei in Boston hatte zunächst erklärt, es habe eine weitere Explosion nahe der John-F.-Kennedy-Bibliothek in einem anderen Stadtteil Bostons gegeben. (...) Laut der Bostoner Polizei wurde ein weiterer Sprengkörper an einem anderen Ort in Boston gefunden, der entschärft werden konnte. (...) Wer hinter den Anschlägen steht, ist bislang völlig unklar.“ (Spiegel, 15.04.2013; Eastern Time: 21:12) 

Ich hattte selbst von dem Anschlag per facebook gehört als ich noch in der Uni war. Natürlich bin ich schnell zu unserem Haus geflitzt und habe den Fernseher angeschaltet. Schreckliche Bilder, und ich musste sofort an meine Gastmutter Angela denken. Sie sollte eigentlich an dem Marathon teilnehmen. Hatte sie aber nicht, sondern war wohlbehalten in Olympia. Eine ihrer Freundinnen war allerding dort, aber auch sie war unverletzt und ihr ging es gut. Gott sei Dank!
Was für eine unfassbare Tat! Ich denke in diesem Stunden an alle Menschen in Boston, die zusammen ein Sportevent feiern wollten und von so einer unverständlichen Tat überrascht wurden. Meine Gedanken sind bei allen Familien, die gerade Geliebte verloren haben, ich hoffe alle Verletzte werden gut versorgt und genesen schnell.
Das war ein Anschlag, der Amerika wieder einmal ins Herz getroffen hat. Aber es hat auch ein unglaublich friedliche Veranstaltung getroffen, die begeisterte Läufer aus aller Welt anzieht. Genau bei diesem Event wollten die Terroristen zuschlagen, weil die Welt auf dieses Event schaut, und alle darüber berichten werden. Sie hat eine Stadt getroffen, die wunderschön und friedlich ist. Und nun trauert.
Für mich ist es vollkommen unverständlich wie Menschen so einen Hass auf andere haben können, dass sie Unschuldige töten und verletzen. Es ist eine grauenvolle Tat! Amerika, bitte schaut in diesen Tagen einmal nach Norwegen, als vor fast 2 Jahren, 2011, der Terror dem Land begegnete. Nehmt euch ein Beispiel an einer kleiner, beschaulichen Nation, die an einem Terroranschlag gewachsen ist. Eine Nation die stärker geworden ist, wo Menschen beieinander stehen, vereint durch Liebe. Lasst Liebe eine Antwort auf Gewalt sein. Amerika darf nicht in Angst erstarren und nicht wieder den Fehler machen auf Gewalt mit Gegengewalt zu reagieren. Der Schuldige muss gefunden werden, und es muss verhindert werden das so etwas nicht wieder geschieht, aber nicht um jeden Preis.

Heute hatten wir außerdem unser Chorbanquett. Das ist ein Event von unserem Chor bei dem alle zusammen kommen am Ende des Semesters und es wird zusammen gegessen, Reden gehalten und auf das gemeinsame Jahr zurückgeblickt. Beim Essen war natürlich auch der Anschlag Thema Nummer 1.  Dennoch gab es auch Essen und die Reden machten mir klar, wie richtig doch die Entscheidung war diesem Chor beizutreten. Chöre haben die Eigenschaft imemr eine Gruppe voller netter Menschen zu sein, die einen mit offenen Armen begrüßen. Drei Mal wöchentlich wurde geübt. In dieser Zeit habe ich vieles gelernt über Musik und Gesang, Freunde gefunden, und vor allem aber Spaß gehabt. Auch wenn man manchmal keine Lust hat auf die Probe geht man doch hin und danach fühlt man sich besser. Denn Musik macht glücklich. Besonders die tolle Musik, die ich hier singen durfte war großartig. Zum Beispiel ein Song, der auch bei der royalen Hochzeit von William und Kate gesungen wurde: " I was glad when they said unto me": http://www.youtube.com/watch?v=rtyFC2Nl_6Y So was bleibt einfach in Erinnerung! Nun freue ich mich bald wieder in Kiel im Gospelchor singen zu dürfen und überlege auch, ob ich nicht dem Universitätschor beitreten sollte. Nun, da ich hier den Chor erlebt habe, denke ich dass ich einmal vergleichen möchte. Und ich habe auch wieder einmal bemerkt, wie sehr ich es genieße klassische Musik zu singen!

Noch 5 Wochen und dann bin ich wieder daheim! Verrückt, wie schnell das mit einem alles geht!

Sende schöne grüße nach Haus,

eure Anna

Music was my first love.

14April2013

Freitag Nachmittag hatte sich ein ehemaliger Student am Lycoming College als Gast angemeldet. Er studierte Deutsch, war in Deutschland und hatte einen abgeschlossenen Master. Sein Beruf derzeit: Geschichtenerzähler! Ein bisschen komisch eine solche Berufswahl findet ihr?  Ja, allerdings! Und genau so komisch wie sein Beruf müsst ihr euch auch ihn vorstellen. Bereits am Morgen hatte ich ihn in der Cafeteria gesehen. Mit komischem, fast hüpfendem Gang ging er in einen Umhang gehüllt durch die Cafeteria. Bereits da war mir irgendwie klar, dass das was mich am Nachmittag erwarten sollte bei weitem nichts entspricht, was ich jemals gesehen habe. Um 15.15 trafen wir uns also in den Katakomben von der Uni. Ein kleiner Vorlesungssaal, wie eine Bibliothek dekoriert wartete. Viele Studenten hatten sich dort eingefunden und warteten das Spektakel ab. Er saß in einem Stuhl und war wie in einer anderen Welt, verrenkte seine Arme und verdrehte seine Augen. Dann ging es los. Len stellte ihn vor, und dann begann er zu erzählen. Seine Geschichte, wie er zum „Storytelling“ gekommen ist, und bot dann einige erlesener Geschichten dar. Er arbeitet völlig ohne schriftliche Hilfsmittel, bringt seine Geschichten nie zu Papier, sondern glaubt an das unmittelbare Medium der Sprache. Er spielt mit der Sprache, jedes Mal beim Erzählen ändert er Dinge; nichts wird jemals wieder so gesagt, wie in dem einen Moment. Die Geschichten werden von seinem unglaublichen Wissen über Mythologie und Literatur weltweit gespeist. Ich fand es sehr interessant; hatte vorher zum Beispiel nicht gewusst, dass es eine „Storyteller“ Gemeinschaft gibt, und das Menschen davon leben können.
Nach seinem Auftritt gingen wir zum Stammtisch; auf dem Weg diskutierten wir über das Gesehene und uns wurde klar, dass keiner von uns dazu im Stande wäre, so zu leben und zu arbeiten. Allein die Tatsache das das ganze produktlos ist, blieb für uns mehr als unverständlich. Zumindest niederschreiben sollte man das doch, das war der Tenus. Aber da sind wir einfach zu kapitalistisch; unsere Gedanken kreisten dann gleich wieder darum, wie man denn daraus am meisten Geld machen könnte. Wenn er es nicht aufschreiben möchte, dann doch zumindest aufnehmen und die CDs verkaufen. Dass damit der performative Charakter seiner Darbietung verloren geht, ist klar, aber für uns steht Produktivität im Vordergrund. Kinder des 21. Jahrhunderts halt- durch und durch.

Nach dem Stammtisch wechselte ich kurz in andere Kleider, denn es sollte ein Geburtstag gefeiert werden: Lam’s 21.!! Sm Abend zuvor hatten wir ja schon drauf angestoßen, aber nun wollten wir Essen gehen. Zurück also in den Bullfrog. Das Essen dort ist immer richtig lecker und ich war sehr hungrig. Die Geburtstagscrew waren Lam, Ly, Antoine, Frankie, Mari und ich.
Nach dem Bullfrog begann unsere Bar-Tour. Das Wort „Bar-hopping“ musste von dem Geburtstagskind neu erlernt werden, schließlich ist es das erste Mal, dass er in Amerika eine Bar betreten durfte. Alles war für ihn Neuland. Angefangen haben wir bei „Rumrunners“, weiter ging es zur Old Corner, wo wir allerdings Eintritt bezahlen sollten und dankend verzichteten. Dann ab zum „Barrell“ wo es Martinis für 5$ gab; weiter von dort zum „Brickyard“, wo wir etwas versackten…bevor die Nacht im „Cellblock“ ausklang. Auf dem Rückweg zum Campus gab es noch gute Nacht Pizza, und dann war die Geburtstagsparty vorbei. 
Lütt un Lütt. Drinks. Essen im Bullfrog. 

Am Samstag schlief ich dann erst mal aus. Viele andere am Lycoming College machten das nicht, sondern waren schon um 8 Uhr morgens auf den Beinen. Auch Lam und Antoine brachen zu um 11 Uhr in den „Cellblock“ auf. Was es dort gab? Eine Riesenparty, den ganezn Tag lang! Beginn 8 Uhr, um 12 werden dann Rolling Rock Biere verkauft, ein Kasten für 12,50$. Es wurde also den ganzen Tag getrunken. Viele ehemalige vom Lycoming College kommen extra für diese Veranstaltung nach Williamsport zurück. Ich finde das irgendwie komisch tagsüber zu trinken, und wollte später zu einer Senior recital und dort nicht betrunken auftauchen, sodass ich verzichtete. Was ich dann aber später hörte war, dass es ein superverrückter Tag war mit viel zu viel Alkohol. Antoine kam um 4 wieder zurück und war völlig betrunken. Er erzählte von „Wet-T-shirt“- Wettbewerben, d.h.http://de.wikipedia.org/wiki/Wet-T-Shirt-Contest Bierpong- Wettbewerben und vielem mehr. Ich war eigentlich froh, dass ich das nicht miterlebt hab.
Stattdessen hab ich eine schöne Senior Recital gesehen. Darunter versteht man eine Abschlussprüfung der Musikstudenten hier am College. Es ist gerade die Zeit, in der alle ihre Abschlusspräsentationen haben. Kunststudenten zeigen ihre Kunstprojekte. Politikstudenten halten eine Präsentation. Und Musikstudenten spielen oder singen halt. Bryan, einer meiner Studenten spielt ganz hervorragend Saxophon und ich war eingeladen.Hab mir das also angesehen und ich glaub er war ganz froh, dass ich erschien, genauso wie Len Cagle, der auch da war, weil ansonsten nicht viele Zuhörer gekommen waren. Dennoch: seine Präsentation war ganz toll und sehr musikalisch!

Am nächsten Tag ging es musikalisch weiter: Mein eigenes Chorkonzert bei der St. John’s United Methodist Church. Wurden super gut verpflegt, gab Donuts und Kaffee, und dann haben wir ganz tolle Lieder gesungen. Ich hab das echt nur genossen, dieses Konzert. War dies Mal auch nicht so irritiert über den Pastor und seine Rede. Nur viel wieder auf: war ganz schön überaltert die Kirchengemeinde.

Als ich zurückkam lagen bei uns auf den beiden Couches im Haus Lam und Frankie. Beide bewegten sich den ganzen Tag dann nicht vom Fleck und ließen sich von uns verpflegen. Sie schliefen immer wieder ein; das war so putzig! Sie betrachten nun die Couches  als ihr Schlafzimmer; und wir freuen uns über unsere Gäste. Sie sind pflegeleicht. Die eigentlichen Bewohner des Hauses- arbeiten nebenbei und sie schlafen und arbeiten selten aber manchmal dann doch. 

Mac Miller.

11April2013

Heute fand das MacMiller Konzert statt. Hier am College ist es Tradition, dass jedes Jahr ein Konzert für die Studenten organisiert wird. Dafür werden lange im Voraus Künstler ausgesucht und eingeladen. Letztes Jahr kam Maroon 5, im Jahr davor Kesha. Dies Jahr sollte es also Mac Miller werden. Viele Dozenten konnten diese Entscheidung nicht verstehen und eine Dozentin entscloss sich eine E-Mail an alle zu schreiben:

"Dear Students and Colleagues,

 The mission of Lycoming College is to provide a distinguished baccalaureate education in the liberal arts and sciences within a coeducational, supportive, residential setting. CAB's selection of Mac Miller clearly goes against this mission.

 It is never ok to call a woman a whore. It is never ok to call a woman a bitch. It is never ok to exploit and devalue women and use them for sexual objectification. This language leads to the perpetuation of a culture of violence against women.

 Sincerely,

 Dr. Mc"

In der Tat ist es für seine verbale Ausschreitungen gegen Frauen bekannt. Ich bin dennoch hingengangen, weil das Konzert umsonst war, und man so etwas natürlich nicht verpassen will. Erst spielte ein DJ „DJ Tonez“, den ich aber verpasste, weil ich etwas später da erschien, und dann eine Reggae-Band, bevor dann der berühmte Sänger erschien.  Gleich als er auf die Bühne kam schockierte er mit seiner Aussage das Publikum: "Ich war so krank in letzter Zeit, ich konnte nicht einmal ficken, ich konnte nicht meinen Schwanz hochkriegen und einen geblasen bekommen!" Großartig, der? Nach einigen Liedern, die solala waren, meinter er dann "Ich weiß, dass einige Leute nicht mögen, was ich über Frauen sage. Sie denken, ich bin ein schlechter Mensch. Aber das stimmt nicht. Ich meine halt nur, dass einige Frauen Schlampen sind und dass sie durch ihre Verhalten meine Worte verdient haben.“  Das war so krass! Nicht nur, diese Worte waren für mich ein Schocker. Noch schlimmer war, dass dem Konzert 12 Jährige und 15 Jährige beiwohnten. Sie klatschen und lächelten während er diese Worte sagte. Man muss wirklich überlegen, ob diese Künstler wirklich die beste Wahl war für eine Bildungsanstalt. Ich meine, wenn es ein Festival ist und Menschen dort in ihrer Freizeit hingehen, dann ist das was ganz anderes. Aber so wird das ja vom Lycoming College mit Mitteln untesdtützt. Da fängt es an problematisch zu werden. Zudem muss ich sagen, dass mich die Atmosphäre ein wenig gestört hat. Man kommt rein und nimmt einen süßlichen Geruch wahr. Die meisten Besucher waren Menschen, die nicht zum College dazugehörten. Sie konnten die Tickets für 20 $ kaufen. Trotzdem war die Halle nur zur Hälfte gefüllt. Und die Menschen die dort waren konsumierten viele Drogen: auf der Toilette wurde jemand festgenommen, der Kokain zu sich nahm, auf der Tanzfläche verloren einige das Bewusstsein, sei es durch zu viel Alkohol oder Drogenkonsum. Irgendwie schon krass! Was meint ihr?

 McMiller  in concert.

Danach hab ich dann Lam abgeholt, weil er um 12 Uhr Geburstag hatte und wir in den Pub wollten um anzustoßen. Zu viert waren wir dann also dort: Antoine, Lam, Ly und ich. Nur eine kleine Runde, denn Freitag soll richtig gefeiert werden.  
Pub. Birthday Boy. 

Einblicke und Ausblicke

06April2013

Am Freitag war der Formal der Verbindung „Lambda Chi Alpha“ und ich war als Date von einem der Brüder, John, eingeladen! Erst trafen sich alle in dem Haus der Verbindung, bevor wir dann zu dem Veranstaltungsort „Sons of Italy“ gingen. Dort gab es in einem Saal (wirklich kalt!) Häppchen und Snacks. Ich hatte ein bisschen mehr unter „Essen“ erwartet, aber es war ok. Alle hatten sich schick gemacht. Die Mädels trugen hübsche Kleider, und die Männer Anzüge! Irgendwann gab es dann die Verleihung der Preise/Awards: „am schlechtesten angezogen“, „beste Noten“, „macht am längsten Party“, uw. Es wurde zwar viel getanzt, aber um 22 Uhr mussten wir den Saal räumen. Danach ging es in den Pub und dort wurde dann weiter gefeiert. Leider haben wir alle den Abend ein bisschen zu viel zu getrunken. Naja, auch das war mal eine Erfahrung wert!

Samstag morgen war das Aufstehen dann aber echt schwer. Ich musste um 10 Uhr an einem Treffpunk sein, denn es sollte gewandert werden! Ungefähr 10 Studenten vom German Club und der Dozent Dr. Cagle waren dabei. Er hatte extra für den Tag ein Auto gemietet, damit wir zum „Black forrest trail“ fahren konnten. Nach etwa einer Stunde Fahrt waren wir da. Der Wanderweg war wunderschön, das Wetter dazu auch perfekt! Nicht zu warm und nicht zu kalt. Irgendwann erreichten wir einen kleinen Fluss. Ab da ging es dann steil nach oben bis zu einem Aussichtspunkt. Einige Studenten entschieden sich hier auszusteigen. Sie waren einfach nicht in der körperlichen Verfassung. Auch ich hatte zu kämpfen, weil ich die komplette letzte Woche mit einer Erkältung zu kämpfen hatte und mein Körper sich noch nicht ganz davon erholt hatte. Aber dennoch schaffte ich es zum Gipfel und da erwartete uns ein phänomenaler Ausblick: unglaublich!

gigantischer Ausblick. geschafft!! Gipfelstürmer. Wandern macht Spaß.

Auf dem Rückweg sammelten wir die anderen zurückgeblieben Studenten ein und dann fuhren wir in ein Restaurant und aßen Burger. Darauf hatten wir uns alle schon lange gefreut! Das Restaurant („Hotel Manor“) war super schön gelegen und das Essen ok für hungrige Bergsteiger, Angler und Kajakfahrer.

Nachdem ich zurück am College war, hatte sich Frankei dort bereits eingenistet, weil er seine Bachelorarbeit bei uns im Haus schreiben wollte. So saßen wir da also alle zusammen für den restlichen Tag, arbeiteten jeder an eigenen Sachen oder halfen einander. Abends war ich aber dann so erledigt, dass ich nur noch ins Bett fiel!

Gelungenes Wochenende würde ich sagen!!

Identitäten.

05April2013

In meinem Kurs „American Identity“ geht es darum die Frage zu beantworten: Was ist typisch Amerikanisch? Natürlich ist es nicht leicht ein gemeinsames Werte-, Glaubens- und Identitätssystem ausfindig zu machen, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Amerika ein Land von Einwanderern ist. Ist es so wie es in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 bereits definiert wurde “Leben, Freiheit und Streben nach Glück”, was die  amerikanische Identität ausmacht. Das große Wort, das von Amerikanern auf diese Frage immer wieder fällt, ist aufschlussreich: “Freiheit”, ökonomische und politische Freiheit. Alle Klassen, alle „Rassen“ sind sich da einig. Laut Umfragen, stimmen um die 90% zu, dass Freiheit sehr oder zum Teil wichtiges Indiz für amerikanische Identität ist. 
Was außerdem noch zur amerikanischen Identität gehört, das ist immer ein großes Fragezeichen.

Nord Korea fordert gerade Amerika heraus, sagt es würde Amerika mit (nukleare) Raketen attackieren wollen. Es ist pure Provokation. Amerika verhält sich wie folgt: mit Muskeln zeigen. Da werden Maneuver vor der koreanischen Küste gelaufen. Diese Manöver sind jährliches Prozedere, aber finden eigentlich immer im Juli statt. Die amerikanischen Militräs haben es vorgezogen. Natürlich trägt das nicht unbedingt dazu bei, dass sich die Situation entspannt. Die USA zeigt also Stärke, mit denselben Mitteln wie der kleine Kim Jong Un. Dies zeigt unter anderem ein tiefliegendes Gefühl, eine Art Identitätsgefühl: Amerika ist überzeugt, ein großartiges Land zu sein, womöglich sogar  „ the greates country in the world“. Zumindest investiert die USA sehr, sehr viel Geld ins das Militär um zumindest den Anschein dessen zu wahren. 

  US Militärausgaben im Vergleich mit dem restlichen Haushalt.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8pHOwP2mOs8
Schaut euch bitte dieses Video an. Es stellt in Frage, dass Amerika das tollste Land der Welt ist. Was das Video aber manifestiert ist, dass die USA einmal ein solches tolles Land waren, und das sollte man doch in der Tat in Frage stellen. Was aber deutlich wird ist, dass Teil der amerikanischen Identität ein Gefühl von Größe, von Pompösität, von Großartigkeit, von Patriotismus ist. Es ist das Gefühl, dass Amerika ein Land der Gewinner ist. Dass die Amerikaner aber seit dem 2. Weltkrieg keinen Krieg mehr gewonnen haben (stattdessen Milliarden in unsinnige Kriege inverstiert haben),  hochverschuldet sind, und genau die gleichen Probleme haben wie alle anderen Länder seit der Wirtschaftskrise auch, das dabei mal schön verschwiegen. Amerika hat immer noch ein relativ großes Ego. Ein Student aus meinen Kurs drückt das sehr geschickt aus: Auf die Frage, wie fühtl es sich an, Amerikaner zu sein, sagte er: „I wake up and piss excellence!“ („Ich wache morgens auf und pisse Exzellenz!“; Ausdruck, um ein Gefühl zu beschreiben, dass man besser als jeder andere ist!)

Na klar, fragte meine Lehrerin, wie ich die „Deutsche Identität“ definieren würde. Natürlich hatte ich da noch nie so richtig darüber nachgedachte. Warum auch. Ohne jetzt weiterzulesen, stellt euch diese Frage doch einfach mal selbst und versucht sie zu beantworten. Gar nicht so leicht, oder? Es ist besonders schwer, weil wir es nicht gewohnt sind „Nationalität“ zu definieren, aufgrund unserer Geschichte von extremen Nationalismus. Dennoch, möchte ich den Versuch wagen, das zu definieren. Ich würde sagen, dass Deutsche Identität ein Gefühl ist; vielleicht ein verbindendes Element aller Menschen, die in Deutschland leben. Es ist eine Art zu denken, zu leben, zu arbeiten. So hat eine Umfrage 2009 folgendes ergeben:

„Über 90 Prozent halten die Deutschen für pflichtbewusst und leistungsorientiert. Und fast ebenso viele nennen die Liebe zu Regeln und Ordnung als wichtigen nationalen Charakterzug. Über 80 Prozent sind überzeugt, dass die Deutschen ihre Heimat lieben und Bräuche pflegen. (…) Die meisten bedienen sich häppchenweise aus dem Fundus deutscher Werte und Tugenden. Sie sind zum Beispiel froh, dass hierzulande der Bus pünktlich kommt und lieben die Landschaft oder die Stadt, in der sie aufgewachsen sind. (…) Die meisten Deutschen bekennen sich zu Demokratie und Weltoffenheit. Für die Zukunft wünschen sich 90 Prozent die Sicherung des sozialen Systems.“ (http://www.zeit.de/online/2009/18/identitaet-deutsche)

Es lässt sich daher schlussfolgern, dass Deutsche Identität eine Identifikation mit bestimmten kulturellen Werten ist und eine Identifikation auf einer kognitiven Ebene (d.h. die Anerkennung nach gedanklichen Abwägungen von Leistungen und Errungenschaften, die ein gutes Leben im Alltag ermöglichen; oder auch die Anerkennung der Funktionsfähigkeit des Staates und seiner Institutionen) ist. Weiterhin und bis hierher nicht erwähnt ist der Gedanken, dass  alle Deutschen das Gefühl verbindet, dass wir eine lange Geschichte haben; eine Geschichte, voller Traditionen und Brauchtümer (Identifikation auf einer affektiv-emotionalen Ebene) aber auch eine Geschichte voller Fehler. Fehler von unglaublicher Größe, sodass wir noch heute eine gewisse Verantwortung übernehmen und Schuldgefühl haben. Vergangenheit ist nicht vergangen, sondern präsent. Sie ist Teil unserer Identität.

Meiner Meinung nach tritt das Deutschsein- wie jeder andere Kultur und jede andere Identität auch - nur in Abgrenzung zu anderen zu Tage. Wenn man sich wie ich länger in einem anderen Land aufhält, wird einem klar, was an einem typisch Deutsch ist, oder was eben nicht zu seiner eigenen Identität gehört. Es tritt dann hevor, wenn man sich mit anderen unterhält. Wenn man diskutiert und man merkt, dass die Ansichten und Meinungen, die man vertritt eine Reflektion von nationalen Werten (in meinem Fall z.B. pazifistisch, demokratisch, sozialistisch, umweltbewusst,…) sind, dass sie mit der eigenen Prägung, der eigenen Bildung zu tun haben. Bildung ist daher dann eine Reflektion von Identität.

„Wir“ kann da ganz frei definiert werden, je nach Prägung und Gutdünken. Deutschland ist heute ein Schmelztiegel vieler Kulturen. Es ist ein globalisiertes Land, dass von vielen Kulturen beeinflusst wird; so auch das Identitätsgefühl. Sprache kann dabei auch Identitätsstiftend sein, auch wenn in Deutshcland mit Sicherheit nicht jeder Deutsch spricht und es eine Dialektale Vielfalt gibt.

Mittlerweile muss man sich allerdings auch fragen, ob die Deutschen wirklich noch so eine distinktive Identität haben, besonders in einer Zeit in der wir in einem Europa vereint sind. Vielleicht ist es mittlerweile sogar einfacher zu definieren was typisch europäisch ist. Was meint ihr?

SingDancePlay.

03April2013

Lycoming feiert seine Verbindungen, mit einer Woche voller Veranstaltungen. Am Mittwoch fanden die „Chapel skits“ um 9 Uhr abends statt. Worum geht es? Es ist die Darbietung kleiner einstudierter Stücke, Tänze, Songs etc. von den einzelnen Verbindungen. Über die Woche hinweg sammeln die einzelnen Verbindungen Punkte in Wettbewerben wie diesem, u.a. auch ein Wasserballturnier.

Die Veranstaltung erinnerte mich an meine Schultage: irgendwie kindisch. Man macht sich irgendwie zum Deppen, nur für Applaus und Punkte von einer Jury. Lustig- das ist es allemal, und auch ansehnlich, wenn die Brüder von Lambda ihre durchtrainierten Körper entblößen. Aber es kann halt auch das Gegenteil sein, wenn die Schwestern von Alpha Rho ihre Pfunde in Yoga-Hosen stecken, oder nur kleine Hotpants tragen und darin über die Bühne "tanzen", oder irgendwelche ungelenkigen TKE Mitglieder versuchen HipHop zu kopieren. 
Es ist so gar nicht universitär (zumindest nicht in dem Rahmen, was ich mit Universitäten verbinde), aber so amerikanisch.

Auch unglaublich: was da für Zeit drauf verwendet wird eine solche Show einzustudieren, denn teilweise waren die Tänze sehr synchron und lang. Verwundernd.

AXD macht einen auf

BeSIDE every great man is a great woman.

02April2013

Es ist Greek Week am Lycoming College, das heißt die Fraternities und Sororities feiern sich selbst. Sie veranstalten irgendwelche Wettbewerbe, veranstalten Talentshows, kreieren Poster. Letzeres wird gerade in der Cafeteria für alle Augen sichtbar aus. Das Thema in diesem Jahr ist „Superheroes“ und alle versuchen sich darzustellen. Ihre Poster reflektieren die Werte der Gruppen. Lambda „GI Joe“ (Kriegshelden olé!), GDS „strong, independent“ women, und TEK meinen sie seien alle „Gentleman“. Mein großer Aufreger dabei war aber das Poster von AΣT. Dies sagt: “Behind every great man is a great woman!”. Dies mag ja in den 50ern aktuell gewesen sein, als Frauen nur Hausfrauen waren, und die großen Frauenrechtsbewegungen noch bevorstanden. Die erste Veröffentlichung findet sich angeblich in einer Zeitung aus Texas „The Port Arthur News“ aus dem Jahr 1946: "As he received his trophy, the plucky quarterback unfolded the story of how he 'came back'. He said 'They say behind every great man there's a woman. While I'm not a great man, there's a great woman behind me.'" Meiner Meinung nach ist dieses veraltet, überholt: es stammt aus einer Zeit in der die Frau zu Haus blieb und den Haushalt schmiss und für die Kinder sorgte und ihre Männer "das Geld nach Hause brachten". Meinem dafürhalten veranschaulicht ein Wort wie "behind" alte hierarchische Strukturen. Es manifestiert das Patriarch: Der Mann steht im Vordergrund, DAHINTER die Frau. Ich stehe hinter niemandem (und auch nach Rücksprache mit einigen meiner Freundinnen hier, wurde klar, dass kaum einer mit diesem Zitat übereinstimmt! Es lässt darauf deuten, dass die Studentinenn dieses Zitat nicht überdacht haben; einfach hingenommen ohne genauer den Sinn zu überdenken. Sie haben nicht verstanden, dass  es keinen Mann bedarf, um erfolgreich zu sein. Sie sollen selbst nach Erfolg streben und wenn sie die Erfahrungen mit ihrem (Ehe-) Mann teilen, ist das eine gute Sache.
Ich denke, dass es eher ein Nebeneinander statt eines Hintereinanders sein sollte. "BESIDES every great man is a great woman!"  Gleichberechtigung der Frauen in einer Ehe, weil heute Frauen oft selbst in erster Reihe stehen, leitende Positionen inne haben und manchmal sogar mehr Geld verdienen als ihre Männer. Auch Frauen wie Michelle Obama oder Hillary Clinton stehen  "neben" ihrem Mann, haben uneinschätzbare Einflüsse auf deren Politik und machen auch selbst Politik. Gemeinsam arbeiten, gemeinsame Ziele erreichen. Frauen sind nicht dem Mann unterwürfig; beide sind stark.
Sogar „The Eurythmics” hatten  1985 bereits verstanden, dass es sich eben nicht mehr um diese Hierarchie handelt und schrieben einen Song “Sisters Are Doin' It For Themselves

Now, there was a time,
when they used to say,
that behind ev'ry great man,
there had to be a great woman.
But oh, in these times of change,
you know that it's no longer true.
So we're comin' out of the kitchen,
'cause there's something we forgot to say to you.
We say, Sisters are doin' it for themselves

schon Deutsch.

29März2013

Heute hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem Kasachischen Studenten, der n Bamberg studiert  und Linda, eine Deutschstudentin hier am College besucht hat. Was so faszinierend daran war, dass ich davon hier berichten muss? Er sang ein Loblied auf seine "Wahlheimat“. Eine Geschichte von seiner Entscheidung sein Leben nach Deutschland zu verlagern, eine neue Sprache zu lernen. Seine Worte hallen in mir nach. Er, der seit 2008 in Deutschland lebt, bezeichnet sich gerne als Deutscher. Er sagt, die Werte, die wir Deutschen haben sind Teil seiner eigenen Identität geworden: Strukturiertheit zum Beispiel. So habe ihn zum Beispiel die Sprache verändert- seine Denkweise strukturierter gemacht. Aber auch die Beobachtung, dass deutsche Studenten das Lernen gelernt haben und Klausuren ernst nehmen, habe er entdecken und übernehmen müssen. Er schätzt Deutsche igenschaften wie „Selbstreflexivität“. Er meinte, dass wir selbstkritisch seien in Hinblick auf unsere eigene Geschichte, unsere Politik(er), besonders aber auch in Hinblick auf solche Dinge wie Fukushima. Hier hat ihn besonders fasziniert, dass  Deutschland als einziges Land der Welt den Atomausstieg beschlossen hat, obwohl unsere „Angie“ noch 6 Monate vorher sagte, dass „unsere Atomkraftwerke sicher seien“. Er schätzt das Deutsche Bildungssystem, besonders die Tatsache, dass Bildung bei uns kostenlos ist.  Meint Deutschland sei ein Tiegel verschiedener Ethnien und Minderheiten. Ob Deutschland einen guten Job der Integration mache, war meine Frage. Darauf antwortete er, dass er immer sehr herzlich begrüßt wurde und sich pudel wohl in Deutschland fühle. Das hat auch damit zu tun, dass seiner Meinung nach in Deutschland die Möglichkeit besteht, zu leben, die Deutschen Werte anzunehmen und die eigenen zu erhalten. Er schätzt, dass in Deutschland weniger Vitamin B bei der Berufswahl eine Rolle spiele als in Kasachstan. Er schätzt Deutsche Arbeitsweisen, die Förderung der deutschen Sprache durch den DAAD und das Goethe – Institut.

Ich muss sagen, dass bei mir dieses Gespräch einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ich sage immer Deutschland gefällt mir. Ich glaube nicht, dass ich jemals in den USA auf Dauer leben könnte. Aber ich bin in Deutschland aufgewachsen. Ich bin Deutsche, habe mich nie integrieren müssen, bin mit der Sprache vertraut. Von jemandem anderen zu hören, dass wir wirklich gar nicht so schlecht sind, und er froh ist bei uns zu leben macht einen stolz.

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